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Schwimmen, aber sicher
Immer mehr Bäder in Deutschland müssen schließen, auch in Ostbayern. Die DLRG hält das für eine der Ursachen für die hohe Zahl der Unfälle.

Regensburg (ots) -

Sommer, Sonne, Badeunfälle: Jedes Jahr sterben in Deutschland mehrere hundert Menschen beim Schwimmen, die meisten davon in unbewachten Flüssen, Bächen und Seen. Mindestens 417 waren es laut Statistik der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft, kurz DLRG, im vergangenen Jahr. 417 Menschen, von denen manche vielleicht noch leben könnten, hätten sie besser schwimmen gelernt. "Explizit nicht ausschließen" will die DLRG, dass die hohe Zahl von Menschen, die beim Baden zu Tode kommen, damit zusammenhängt, dass in Deutschland immer mehr Schwimmbäder schließen. Etwa jedes zehnte der rund 6700 Bäder bundesweit hat in den vergangenen 20 Jahren dichtgemacht, allein in der Oberpfalz mussten mit dem Freibad in Gleißenberg und den Hallenbädern in Berg und Bärnau seit 20016 drei Schwimmstätten zusperren. 96 Bäder gibt es noch in den Oberpfälzer Gemeinden, doch 61 davon werden als sanierungsbedürftig eingestuft, acht Bäder seien akut von der Schließung bedroht, schrieb das bayerische Innenministerium 2018. Das trifft auch die Schulen, die für den Schwimmunterricht auf die öffentlichen Bäder angewiesen sind. So sieht der "LehrplanPlus" für die dritte und vierte Klasse zwar vor, dass Schülerinnen und Schüler sich "in der Grobform einer Schwimmart sicher fortbewegen" können sollen. Nur: Rund 25 Prozent aller Schulen haben gar keinen Zugang zu einem Schwimmbad, in dem die Kinder das sichere Schwimmen lernen können, auch fehlen an manchen Schulen die Lehrer mit der Zusatzqualifikation, die für den Schwimmunterricht notwendig ist. Reflexartig die Schuldigen in den Kommunen zu suchen, die ihre Bäder verfallen lassen oder kaputtsparen, wäre allerdings verfehlt. Ein Großteil der Betriebe ist bereits in den 1960er und 1970er Jahren entstanden, die Instandhaltungs- oder Sanierungskosten sind enorm. Zwar hat die bayerische Staatsregierung Förderprogramme zur Sanierung von Schul-Hallenbädern und Freibädern aufgelegt, angesichts des mittlerweile gigantischen Sanierungsstaus von mehreren hundert Millionen Euro bayernweit sind die aber nicht viel mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Und: Es fehlt auch hier an Personal, Bademeister sind rar. All das aber ist nur ein Teil des Problems. Denn nicht nur Schulen, auch Eltern sind in der Pflicht, ihren Kindern zu vermitteln, wie sie sich sicher im und am Wasser bewegen können. Doch auch unter Erwachsenen ist die Unsicherheit im Wasser weit verbreitet: Nur 52 Prozent der 30- bis 44-Jährigen bezeichnen sich selbst als sichere Schwimmer. Und viele Wochenendausflüge gehen heute, wenn überhaupt ins Schwimmbad, dann nur in Spaßbäder, wo Rutschen und Whirlpools auch Nichtschwimmern Spaß versprechen. Letztlich bleibt es allzu oft abhängig vom Engagement und dem Geldbeutel der Eltern, ob und wie gut ein Kind schwimmen lernt. Ob es einen Schwimmkurs besucht, und ob dieser von Schwimmvereinen, Wasserwacht oder DLRG angeboten wird oder der eines privaten Anbieters ist, die sich in Preis und Qualität oft enorm unterscheiden. Und ob das Kind über das Seepferdchen hinaus weiterlernt: Viele Schwimmkurse enden mit diesem, doch Experten sind sich einig, dass Kinder erst sicher schwimmen können, wenn sie die Anforderungen des Jugendschwimmabzeichens Bronze erfüllen. Der Erhalt und Ausbau der Schwimmbäder ist dringend notwendig. Mindestens ebenso notwendig ist es aber, wieder das Bewusstsein dafür zu schärfen, wie wichtig sicheres Schwimmen ist. Mehr Fachkräfte für Schulen und Bäder zu gewinnen. Und Eltern bei der Schwimmausbildung ihrer Kinder zu motivieren und zu unterstützen.

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Mittelbayerische Zeitung
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